Content als Infrastruktur. IT als Innovationstreiber 

Auf der Media Next 2026, einer Digitalkonferenz des Digital Publishing Report, sprach Alexander Josef, CEO von Forward Publishing, über modulare Content-Architekturen. Er erklärte, warum diese für Verlage längst nicht mehr nur eine technische Komponente darstellen, sondern vielmehr zur einer strategischen Geschäftsentscheidung werden. Die wichtigsten Erkenntnisse aus seinem Vortrag.

Content ist Infrastruktur 

Wer Inhalte flexibel, schnell und kanalübergreifend ausspielen will, muss auch die Publishing-Infrastruktur mitdenken: mit einem technolgisch zukunftsfähigem Fundament, das Inhalte leistungsstark, latenzarm und sicher ausspielt – und mit den Anforderungen mitwächst. 

Wie das unter realen Bedingungen aussieht, zeigte Alexander Josef am Beispiel von CH Media, wo ein Eigentümerwechsel die Ablösung der bestehenden Technologieplattform unter hohem Zeitdruck erzwang. „Man hat diese Situation als Chance genutzt, IT als Innovationstreiber zu etablieren“, so Josef. Was als technische Notwendigkeit begann, wurde zum Ausgangspunkt für eine grundlegend neue Architektur. 

Erfolgstreiber 1: Erstellung und Auslieferung konsequent entkoppeln

Die zentrale Architekturentscheidung: Content-Erstellung und Auslieferung strikt trennen und über einen event-gesteuerten Content Delivery Hub verbinden. Auf der einen Seite die Redaktion, die über ein Headless-CMS publiziert, ergänzt um Werkzeuge für Planung und KI-gestütztes Auto-Tagging. Auf der anderen Seite Millionen Leser:innen, die über Web, native Apps und E-Paper auf die Inhalte zugreifen. 

Grund für diese Trennung ist laut Josef ein Missverhältnis: Inhalte ändern sich nur wenige Male am Tag, während pro Sekunde hunderte Leseanfragen eintreffen – ein Verhältnis von rund tausend zu eins. Ein zentraler Hub, der beide Seiten entkoppelt bedient, nimmt der gesamten Infrastruktur diese Last ab und senkt die Betriebskosten. 

Erfolgstreiber 2: KI zentral verwalten und orchestrieren 

Ein zweites Kernargument betraf den Umgang mit KI. Statt KI-Services verteilt im System als Einzellösungen zu entwickeln, plädierte Josef dafür, sie zentral im Content Delivery Hub zu bündeln. „Wir müssen lernen, dass diese Services einheitlich verwaltet werden müssen“, betonte er. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigte er anhand eines von Forward Publishing entwickelten Prototyps: Anwendungen wie Text-to-Speech, automatisch generierte Topic Pages oder Chattable News – der Dialog mit den Inhalten eines Verlags statt mit einem allgemeinen Sprachmodell – lassen sich so auf stabiler Infrastruktur skalierbar und kosteneffizient betreiben. Mit CH Media startet dazu in Kürze eine gemeinsame PoC-Phase. Verteilte Insellösungen dagegen seien schwer zu steuern und in ihren Kosten kaum transparent zu halten. 

Erfolgstreiber 3: Der Nutzen zeigt sich bei Leser:innen und Verlag 

Zum Abschluss richtete Josef den Blick auf die Wirkung, und zwar auf beiden Seiten. Für Leser:innen zählen schnellere Ladezeiten, die personalisierte Darstellung hyperregionaler Inhalte bis auf Gemeindeebene und ein nahtlos integriertes E-Paper in Website und News-App. Für Verlage zählt vor allem die gewonnene Flexibilität: Neue Portale und Angebote entstehen auf der bestehenden Plattform in kurzer Zeit, ohne die Infrastruktur jedes Mal neu aufzubauen. Genau darin, so Josefs Fazit, liegt der eigentliche geschäftliche Wert einer modularen Content-Architektur. 

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