Google und das News-Geschäft, neue Publisher-Technologien, Cookie-Zukunft und Expertengruppe für Datenanalyse

Heute im Publisher-Update: Checkliste für News-Publisher, Kartellamt untersucht Googles News Showcase, ein Whitepaper für neue Publishing-Technologien & mehr.

Google News beherrscht die digitale Welt und stellt die Regeln dafür auf.
Gerd Altmann, Pixabay

Google News: Was News-Publisher beachten sollen

Google News ist für News-Publisher weltweit der wohl wichtigste Traffic-Lieferant. Insbesondere die Einbettung von News in den Discover-Stream bei Android und im Chrome-Browser bringt Verlagen Millionen Besuche ein.

Jetzt nennt Google einige Faktoren, die bei der Auswahl und beim Ranking von News-Artikeln eine Rolle spielen können. Google will:

  • klare Datumsangabe und Verfasserzeile,
  • Informationen über Autoren,
  • die Nachrichtenquelle,
  • das Unternehmen / das Netzwerk / den Verlag, der hinter der Publikation steht,
  • und spezifische Kontaktinformationen.

All diese Informationen sollen unmittelbar über einen Artikel zugänglich sein. Google fordert diese Angaben laut eigenen Angaben für die Transparenz in der journalistischen Praxis ein. Länderspezifische und regionale Besonderheiten würden dabei berücksichtigt.

Weitere Richtlinien betreffen beispielsweise Werbung und gesponserte Inhalte. Eine moderne Publishing-Infrastruktur sollte diese Faktoren integrieren, um keine Nachteile im News-Ranking befürchten zu müssen.

News Showcase: Bundeskartellamt prüft Rechtmäßigkeit

Googles neues News-Produkt „News Showcase“ gerät derweil in die Kritik: Das Bundeskartellamt geht einer Beschwerde der Verwertungsgesellschaft Corint Media nach und prüft, ob und auf welche Art Google die Showcase-News benutzt, um den eigenen Such-Service gegenüber konkurrierenden Angeboten zu bevorteilen. Das Bundeskartellamt prüft außerdem, ob das Vertragswerk die teilnehmenden Verlage benachteiligt und wie die Zugangsbedingungen für Publisher in das Showcase-Programm gestaltet sind.

„Eine Kooperation mit Google kann für Verlage und andere Nachrichtenanbieter attraktiv sein und Verbraucherinnen und Verbrauchern neue oder verbesserte Informationsangebote bieten. Es muss jedoch sichergestellt werden, dass es dabei nicht zu einer Diskriminierung zwischen einzelnen Verlagen kommt. Auch darf die starke Stellung von Google beim Zugang zu den Endkunden nicht zu einer Verdrängung konkurrierender Angebote von Verlagen oder sonstigen Nachrichtenanbietern führen. Rechte und Pflichten der Inhalteanbieter gegenüber Google bei Teilnahme an dem Programm müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen“, sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes.

Bei Google News Showcase zahlt Google Publishern Lizenzgebühren für eine prominente Einbindung ausgewählter „qualitativ hochwertiger“ journalistischer Inhalte in den eigenen News-Service.

Showcase-News sind derzeit in der News-App und am Desktop verfügbar. Sie sollen bald auch in die allgemeine Suche eingebunden werden. In Deutschland sind circa 30 Unternehmen am News Showcase beteiligt.

Mehr dazu in der offiziellen Meldung des Bundeskartellamts.

Die Zukunft nach dem Cookie ist für viele Publisher unklar

Cookies waren immer ein Stützpfeiler der Online-Service- und -Werbeindustrie. Gerade für Publisher war die kleine Textdatei über Dekaden die Grundlage für Tracking, bessere Werbe-Monetarisierung und Leser-Services.

Jetzt bricht dieser Stützpfeiler weg und Publisher sind sich unsicher, was nach dem Cookie kommt, wie eine aktuelle Umfrage der globalen Medienplattform Teads unter 451 Angestellten von 419 bekannten Publishern weltweit zeigt.

Mehr als 50 Prozent antworten, dass sie noch nicht sicher seien, wie sich ihr Geschäftsmodell durch den Wegfall von Cookies verändern wird. Mehr als 65 Prozent möchten die fehlenden Daten aus Sorge vor einer schlechteren Nutzererfahrung und Traffic-Einbußen nicht durch Login-Funktionen abfangen.

Die meisten Publisher wollen wohl abwarten, was die großen Datenkonzerne wie Google als neue Leittechnologie vorgeben. Für Eric Shih, Chief Supply Officer bei Teads, ist das ein Fehler: „Obwohl sie am ehesten von den Auswirkungen auf die Einnahmequellen betroffen sind, verlassen sie sich auf spontane und oft verwirrende Updates von Tech-Giganten.“

Qualitätsjournalismus würde dringender benötigt als je zuvor, so Shih, und Publisher seien gut beraten, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die die Datenschutzanforderungen respektieren und weiterhin freien Zugang zu den besten Inhalten im Web ermöglichen.

Mehr zur Umfrage von Teads finden Sie hinter dem Link.

Whitepaper: Sechs neue Publishing-Technologien auf dem Vormarsch

Wenn Content König ist, dann ist Distribution mindestens der Königsweg, der gerade beim digitalen Publishing an Bedeutung gewinnt. Die Möglichkeiten sind vielfältig und die Bedürfnisse der Zielgruppen heterogen, was die digitale Distribution besonders anspruchsvoll macht. Viele Verlage investieren – richtigerweise – in hochwertige Inhalte, kümmern sich aber nicht mit der gleichen Sorgfalt um den Vertrieb und die Monetarisierung dieser Inhalte.

Das kostenlose (Dateneingabe erforderlich) Whitepaper „6 Publishing Technologies That Will Make A Difference To Your Business“ befasst sich mit den Technologien für Content Analytics, First-party Data, Paywalls, eCommerce, Newsletter und Podcasting und wie sie Publishern zu neuen Umsätzen verhelfen können.

WAN-IFRA: Expertengruppe für Datenanalyse im Journalismus

Im schnelllebigen und fragmentierten News-Geschäft ist die genaue Zielgruppenkenntnis für Publisher Geld wert: Dadurch können News-Themen besser priorisiert und gezielter ausgespielt werden. Höhere Klickraten, mehr Traffic und eine stärkere Markenbildung sind einige positive Ergebnisse einer guten Zielgruppenkenntnis.

Um die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich voranzutreiben, gründet die World Association of News Publishers (WAN-IFRA) die Gruppe „Data Science Expert“: Sie soll gute Praxisbeispiele in News-Organisationen aufspüren und in der Industrie verbreiten. Die Datenexperten fokussieren sich auf die vier Bereiche Data Analytics, Data Science, Data Engineering, Koordination und Projektmanagement.

Die Gruppe trifft sich zunächst alle zwei Monate. Neben Praxisbeispielen bespricht sie Themen wie Datenkommunikation im Newsroom, Dashboarding & Datenvisualisierung, Struktur von Datenteams, KPI-Tools für den Newsroom und Redakteure, Machine Learning und Natural Language Processing-Modelle für Empfehlungen und gezielte Nachrichten, Churn-Modelle und verwandte Algorithmen, Predictive Analytics & KPIs, Kundenzufriedenheits-Metriken und Data Warehouses.

Aus dem deutschsprachigen Raum sind unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Handelsblatt Media Group, die Neue Zürcher Zeitung und Ringier in der Gruppe vertreten. Weitere Informationen und eine Bewerbungschance gibt es auf der offiziellen Seite.

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